Von: weekebaumeister@aol.com
Datum: 9. Oktober 2012 22:10:04 MESZ
An: ab@kompass-sprachreisen.de
Betreff: die ersten Wochen in England

Hallo,


ich bin nun seit fünf Wochen hier in Folkestone und es gefällt mir bis jetzt sehr gut.

 

Das Leben in meiner Gastfamilie ist so unkompliziert, wie ich es mir gewünscht habe. Meine Gastmutter sehe ich meistens nur beim Abendessen, weil ich oft nicht zu Hause bin, oder sie nicht zu Hause ist, wenn ich da bin. Es ist super, dass ich so zentral wohne. Ich bin zu Fuß in 15 Minuten in der Schule oder in die andere Richtung in 15 Minuten im Stadtzentrum.

 

In der Schule komme ich ganz gut zurecht. Ich musste zwar mehrmals meine Fächer tauschen, aber jetzt habe ich endlich eine Kombination gefunden, die funktioniert und mir gefällt (English Literature, Health and Social Care, Photography). Die Schule hier ist sehr viel größer als meine Schule in Deutschland, weshalb ich mich am Anfang manchmal verirrt habe, aber inzwischen kenne ich mich aus.  Außerdem ist die Schule sehr modern und viel besser ausgestattet. Zurück in Deutschland werde ich mir wahrscheinlich vorkommen wie in der Steinzeit. Hier ist es normal, in Photography an Apple Computern mit Photoshop zu arbeiten, und dass jeder sich eine Spiegelreflexkamera ausleihen kann. Die Lehrer sind motiviert und kümmern sich um jeden einzelnen Schüler, was bei den kleinen Kursen auch gut möglich ist. Mit der Sprache hatte ich bis jetzt keine großen Probleme, eigentlich klappt das sogar besser, als ich gedacht hätte. Sogar in English Literature (wo wir gerade Shakespeare lesen), können die Deutschen oft gut mithalten. Es ist das anspruchsvollste meiner Fächer, aber auch das, was mir am meisten Spaß macht.

 

Mein typischer Schultag beginnt damit, dass ich um 7 Uhr aufstehe und niemand im Haus ist, weil meine Gastmutter mit dem Hund draußen ist. Dann frühstücke ich und mache mir mein "packed lunch" für die Schule. Um 8.15 Uhr gehe ich los und laufe ca. 15 Minuten zur Schule. Die erste Stunde beginnt um 9 und die letzte Stunde endet um 14.30 Uhr.  Zweimal in der Woche habe ich erst ab 12.30 Uhr Unterricht. Ich bin dann aber trotzdem schon um 9 da und mache meine Hausaufgaben bzw. "independent study". Ich bin also trotz meiner nur 15 Wochenstunden, jeden Tag von 9 bis 14.30 Uhr in der Schule. Zwischen 12 und halb 12.30 Uhr haben wir Mittagspause. Nach der Schule treffe ich mich mit Freunden oder gehe ins Fitnessstudio und bin meistens um 6 Uhr zum Abendessen wieder zu Hause. Manchmal habe ich dann auch noch Hausaufgaben zu machen. Freitags gehe ich jetzt nach meinem normalen Unterricht noch freiwillig in den Deutschkurs.

 

Das einzige "Problem", das ich habe, ist einheimische Freunde zu finden. Ich treffe mich bis jetzt nur mit den anderen deutschen und französischen Austauschschülern von meiner Schule. Wenn zehn Deutsche und zwei Franzosen in eine Stufe gehen, ist das ja auch kein Wunder. Außerdem ist der Altersunterschied zwischen uns und den Engländern teilweise sehr groß. Das heißt, man lernt zwar Leute kennen, aber man hat außerhalb des Unterrichts nichts mit ihnen zu tun, weil man einfach nicht die gleichen Interessen hat. Das ist zwar schade, aber mit den anderen Deutschen verstehe ich mich dafür umso besser. Da ich meinen Aufenthalt verlängert habe, habe ich ja nun noch sechs Monate Zeit. Vielleicht findet sich doch irgendwann der eine oder andere englische Freund.

 

An den Wochenenden haben wir Ausflüge nach London, Brighton, Canterbury, Hythe und Dover gemacht. Wir haben also, dafür dass wir erst fünf Wochen hier sind, schon viel gesehen. In Canterbury haben wir uns mit den Leuten aus Whitstable getroffen und unsere Erfahrungen ausgetauscht.

 

Ich freue mich, noch sechs Monate hier verbringen zu dürfen und darauf, dass mich meine Eltern bald besuchen kommen.

 

Viele Grüße

 

Weeke